Wer sich ein bisschen mit Teichen beschäftigt, begegnet früher oder später diesen beiden Werten: pH und KH. Sie tauchen in Ratgebern auf, auf Verpackungen von Teichwassertests, in Foren-Diskussionen. Und häufig bleiben sie abstrakt – Zahlen, die man kennt, aber nicht wirklich versteht.
Dabei erklären diese zwei Werte zusammen sehr viel darüber, warum ein Teich stabil ist oder immer wieder kippt. Nicht alles, aber mehr als die meisten anderen Einzelmessungen.
Der pH-Wert: was er sagt und was er verschweigt
Der pH-Wert misst, ob das Wasser sauer oder basisch ist. Skala von 0 bis 14, wobei 7 neutral ist. Im gesunden Gartenteich liegt er idealerweise zwischen 7,5 und 8,5 – leicht basisch, was für Fische und Filterbakterien gut verträglich ist.
Was viele nicht einkalkulieren: Der pH-Wert ist keine konstante Größe. Er schwankt über den Tag hinweg, manchmal erheblich. Ursache ist die Fotosynthese. Während Pflanzen und Algen tagsüber Kohlendioxid verbrauchen, steigt der pH-Wert. Nachts und morgens, wenn CO₂ produziert und nicht mehr verbraucht wird, sinkt er wieder.
In einem Teich mit normaler Bepflanzung kann diese Schwankung ein bis zwei Einheiten betragen – zum Beispiel von 7,5 morgens auf 8,5 nachmittags. Das ist normal und kein Grund zur Sorge.
In einem Teich mit massiver Schwebealgenblüte kann die Schwankung dramatisch größer sein. pH-Werte von 9,5 oder sogar 10 am frühen Nachmittag sind bei intensiver Algenaktivität möglich. So hohe Werte sind für Fische bereits belastend – Ammoniak wird bei hohem pH giftiger – und sie zeigen, dass das biologische System außer Kontrolle geraten ist.
Ein morgens gemessener pH-Wert von 7 dagegen kann auf organische Überlastung, zu niedrige Karbonathärte oder biologischen Stress hindeuten.
Die Karbonathärte: die unterschätzte Pufferkraft
Die Karbonathärte – KH – beschreibt, wie gut das Wasser in der Lage ist, pH-Schwankungen abzufedern. Technisch gesagt: Wie viel Säure das Wasser aufnehmen kann, bevor der pH-Wert merklich fällt.
Ein Teich mit hoher KH bleibt stabil, auch wenn Algen intensiv Fotosynthese betreiben. Ein Teich mit niedriger KH springt schnell in extreme pH-Bereiche.
Der ideale Bereich liegt bei 5 bis 8 °dH. Darunter – also unter 4 °dH – wird es kritisch. Der pH-Wert wird unzuverlässig, das Wasser ist anfällig für Extremschwankungen. Das schwächt Filterbakterien, stresst Fische und begünstigt indirekt Algenblüten, weil nützliche Konkurrenten geschwächt werden.
In vielen Regionen Deutschlands ist das Leitungswasser relativ weich. Wer regelmäßig Wasser aus solchen Regionen nachfüllt oder einen Teilwasserwechsel mit solchem Wasser durchführt, zieht die KH nach unten. Das passiert schleichend und fällt oft nicht auf – bis der Teich eine Saison lang instabil bleibt und niemand den Zusammenhang herstellt.
Wie beide Werte zusammenhängen
pH und KH sind keine unabhängigen Größen. Die KH bestimmt, wie stark der pH schwanken kann. Ein niedriger KH-Wert macht den pH volatil. Ein hoher KH-Wert hält ihn stabil.
Deshalb reicht es nicht, nur den pH zu messen. Wer einen stabilen pH von 8 misst und daraus schließt, alles sei in Ordnung, übersieht vielleicht eine sehr niedrige KH, die bei der nächsten Hitzeperiode zu einem pH-Sprung führt.
Die Messungen sagen am meisten, wenn sie gemeinsam interpretiert werden.
Was zu tun ist, wenn die Werte nicht stimmen
KH unter 4 °dH: Karbonathärte erhöhen. Das gelingt mit Natriumbicarbonat (Backpulver) oder speziellem Teichkalk. Dosierung schrittweise vornehmen – nicht auf einmal. Pro Behandlung etwa 1 °dH anheben, dann erneut messen.
pH über 9 am Nachmittag: Zeigt intensive Algenaktivität. Die eigentliche Maßnahme ist nicht der pH-Wert selbst, sondern die Algen – also UV-Klärer, Nährstoffreduktion, mehr Pflanzenmasse. Den pH direkt mit Säure senken zu wollen ist keine nachhaltige Strategie und belastet Fische.
pH unter 7 morgens: Mögliche Ursachen sind niedrige KH oder organische Überlastung. Erst KH prüfen, dann weiter analysieren.
Wer beide Werte regelmäßig misst – idealerweise in Verbindung mit einem Phosphattest – hat ein belastbares Bild davon, wie es seinem Teich wirklich geht. Nicht als Selbstzweck, sondern weil diese Zahlen erklären, was man von außen nicht sieht.
