Wer mal mit dem Arm oder einem Stock durch einen älteren Teich geführt hat, kennt das Bild: eine dunkle, weiche Schicht am Boden, die sich beim kleinsten Aufwirbeln als bräunliche Wolke im Wasser verteilt. Das ist Mulm – und er ist eines der am häufigsten unterschätzten Probleme im Gartenteich.
Nicht wegen des Aussehens. Sondern wegen dem, was er dauerhaft an das Wasser abgibt.
Was Mulm ist und woher er kommt
Mulm ist kein homogenes Material. Er besteht aus einer Mischung aus abgestorbenen Pflanzenteilen, Fischkot, unverdautem Futter, toten Insekten, abgesetzten Algenresten und dem organischen Feinschutt des Teichalltags. All das sinkt über Zeit zu Boden, lagert sich ab und wird langsam zersetzt.
In einem kleinen, aktiven Teich mit Fischen und regelmäßiger Fütterung entsteht Mulm schneller als man denkt. Nach zwei bis drei Saisons ohne Bodenreinigung kann sich eine Schicht von mehreren Zentimetern aufgebaut haben.
Mulm als Nährstoffspeicher
Das eigentliche Problem ist nicht der Mulm selbst, sondern was beim Abbau passiert. Beim Zersetzen organischen Materials durch Bakterien werden gebundene Nährstoffe freigesetzt – vor allem Phosphat. Das ist derselbe Phosphat-Eintrag, der Schwebealgen zum Wachsen bringt.
Ein Teich, der eine dicke Mulmschicht am Boden hat, gibt kontinuierlich Phosphat ins Wasser ab – auch dann, wenn man aufgehört hat zu füttern, auch wenn kein Laub mehr hereinfällt, auch wenn der Filter läuft. Der Speicher wird langsam, aber stetig abgebaut.
Das erklärt ein Muster, das viele kennen: Man reduziert die Fütterung, hält Laub fern, pflegt regelmäßig – und das Wasser grünt trotzdem immer wieder. Der Boden ist die Ursache, nicht die aktuelle Pflege.
Ist Mulm am Boden immer ein Problem?
Nicht vollständig. Eine dünne, gleichmäßige Schicht organischen Materials am Boden ist in einem Naturteich ohne Fische Teil des natürlichen Kreislaufs. Kleinstlebewesen leben darin, Pflanzen wurzeln darin, und der biologische Abbau läuft kontrolliert ab.
Problematisch wird es, wenn die Schicht zu dick wird, wenn die organische Last den Abbau übersteigt und Nährstoffe angehäuft werden. In Teichen mit Fischbesatz und regelmäßiger Fütterung passiert das strukturell fast immer.
Was man dagegen tun kann
Teichsauger regelmäßig einsetzen. Ein Teichsauger saugt den Mulm mechanisch vom Boden ab und entfernt damit den Nährstoffspeicher physisch aus dem System. Das ist die direkteste und effektivste Maßnahme.
Wann absaugen? Idealerweise zweimal pro Saison: einmal im frühen Frühjahr, bevor der Teich biologisch aktiv wird – dann entfernt man die über Winter angesammelte Last, bevor sie Frühjahrsalgen antreibt. Und einmal im Herbst, nach dem Laubeintrag und bevor der Teich in die Winterruhe geht.
Im laufenden Betrieb des Sommers gilt: nicht zu aggressiv absaugen, da Aufwirbeln von Mulm kurzfristig Nährstoffe freisetzt. Eher schonend und gezielt in besonders belasteten Zonen.
Überfütterung reduzieren. Jede Portion unverdautes Futter landet am Boden und trägt zur Mulmbildung bei. Der Zusammenhang ist direkt.
Laubeintrag im Herbst verhindern. Laub, das im Teich verrottet, ist einer der größten Beiträge zum Mulm. Ein Netz über den Teich gespannt von Oktober bis Dezember hält den Haupteintrag fern.
Eine Beobachtung, die vielen auffällt
Teiche, die regelmäßig abgesaugt werden, zeigen über mehrere Saisons hinweg deutlich weniger Algendruck – auch wenn die anderen Parameter gleich bleiben. Der Boden ist eben nicht nur Hintergrundkulisse, sondern aktiver Teil des Nährstoffhaushalts. Wer ihn pflegt, pflegt den Teich an der Wurzel.
